Wo Adel zählt und Geschichte greifbar wird
Publiziert in 7 / 2008 - Erschienen am 27. Februar 2008
Latsch – Seit August 1994 gibt es den Freundeskreis der K.u.K. Monarchie Österreich-Ungarn in Latsch. Die Anregung dazu hatte der Landwirt Hermann Pegger, ein Enkel des bekannten Latscher Chronisten Hans Pegger, gegeben. Ein erstes, Identität stiftendes Unternehmen des Freundeskreises mit Hermann Pegger als Obmann war die Wiedererrichtung des Kaiser Franz Josef-Denkmals im Kaisergarten an der Nikolauskirche vor nunmehr 14 Jahren. Mit großem persönlichem Aufwand und Einsatz ist es dem Kenner späthabsburgischer Geschichte, dem Sammler und Liebhaber Pegger gelungen, sein Heimathaus, einst Besitz der geadelten Verdross von Drossburg und später Gasthof „zum Roten Adler“, wieder zu erwerben, zu sanieren und darin ein heute weit über die Grenzen Südtirols hinaus bekanntes Privatmuseum einzurichten.
Gleichzeitig hat Hermann Pegger eine Gruppe traditionsverbundener Landsleute um sich geschart, um daraus eine Fahnenabordnung der Tiroler Kaiserjäger und Kaiserschützen zu bilden. In original nach geschneiderten Uniformen eines Hauptmannes und eines Fähnrichs der Kaiserjäger, dreier Unterjäger, eines Patrouilleführers der Kaiserschützen ist die Gruppe als „Kompanie General Ignaz Verdross“ meist im Gefolge von Familienangehörigen der Habsburger bei Gedenk- und Jubiläumsfeiern, bei Umzügen und Beerdigungen, bei Friedenstreffen, Einweihungen und Eröffnungen aufgetreten. Infolge dieser Präsenz wurden Kontakte in alle früheren Kronländer, so nach Polen, Slowenien, ins Trentino, in den Veneto und in verschiedene österreichische Bundesländer geknüpft. Gegenbesuche von Diplomaten und Politikern, Kulturträgern, Denkmalpflegern und Universitätsprofessoren im Pegger’schen Privatmuseum waren die Folge. Einen Höhepunkt stellte der Besuch eines ungarischen Traditionsvereines aus der Kleinstadt Nagykáta dar. Unter Hauptmann Béla Káplár statteten die Marketenderinnen in Tracht und die Soldaten in Uniformen der k.u.k. Artillerie auch dem Kaisergarten einen Besuch ab. Dort wurde die Fahne gehisst und eine Ehrensalve abgefeuert.
Im Anschluss lud Hermann Pegger die Gäste aus Ungarn, aus Innsbruck und einen Angehörigen der Alpini-Truppe samt der eigenen Fahnenabordnung zu einem frugalen Mahl in den Vinschgerhof ein.

Günther Schöpf